Vor rund 2 Jahren war ich noch die typische Apple-Userin: iCloud Drive für alles, weil es einfach funktioniert. Mit der Einrichtung eines Smart Homes und der damit verbundenen Anschaffung eines eigenen Servers änderte sich dann aber doch einiges und ich beschloss, darüber auch weitere Dienste selbst zu hosten. Plötzlich störte mich nicht nur der fehlende Einblick in meine eigenen Daten, sondern auch die Abhängigkeit von Apple. Der finale Auslöser war schließlich, dass bei mir im Keller ein Gerät stand, das das auch leisten konnte.
Damit es keine Missverständnisse gibt: Ich schwöre weiterhin auf macOS/iOS und werde mir auch in Zukunft entsprechende Geräte kaufen, weil ich nicht nur seit Ewigkeiten schon damit arbeite, sondern insbesondere auch von dem System, App-Design und den Apps im Allgemeinen überzeugt bin. Für viele Anwendungsbereiche gibt es leider auf anderen Systemen keine für mich adäquaten Alternativen. Gleichwohl bedeutet das nicht, dass ich mich mit anderen Diensten auch im Apple-Ökosystem bewegen muss – und auch weitere kleine Geräte müssen nicht mehr exklusiv von Apple sein. (Gesendet von meinem Lenovo ThinkPad mit Arch Linux)
Bevor wir zu den Erfahrungen kommen, kurz zu meinem Setup: Nextcloud läuft auf meinem QNAP TS-873AeU-RP und ist nicht direkt über das Internet erreichbar. Stattdessen greife ich von unterwegs über VPN zu – aktuell noch über die Fritz!Box, aber der Wechsel zu WireGuard steht auf meiner To-Do-Liste. Hätte ich damals mein heutiges Wissen gehabt, hätte ich mir nicht den Rackmount-NAS von QNAP gekauft – zumal ich die meisten Dienste gar nicht nutze, Docker sei dank –, sondern mir einen eigenen Server zusammengestellt. Egal, das Gerät steht da jetzt und funktioniert.
Besonders praktisch: Ich habe Automationen auf meinen Geräten eingerichtet, die automatisch die VPN-Verbindung aufbauen, sobald ich das Heimnetzwerk verlasse. So bin ich immer mit meinen Daten verbunden, ohne daran denken zu müssen.
Nach einem Jahr kann ich sagen: Nextcloud läuft verdammt stabil. Synchronisation funktioniert schnell und zuverlässig – tatsächlich schneller als iCloud Drive es manchmal war, gerade bei der Synchronisation von neuen oder geänderten Dateien auf anderen Geräten; keine mysteriösen Sync-Probleme aus dem Nichts.
Überraschend positiv war auch die Reaktion der Familie: Für jedes Familienmitglied habe ich auch ein eigenes Benutzerkonto angelegt. Während manche Familienmitglieder es wenig bis gar nicht nutzen, gibt es auch regelmäßige User. Der geteilte Familienordner für Fotos und Dokumente wird gut und gerne angenommen.
Mit meinem strukturierten Ansatz für mein Archiv bleibt die Performance auch bei großen Datenmengen gut, sowohl für Fotos als auch sonstige Dateien oder Dokumente.
Die größte Baustelle ist leider die macOS-App. Sie hängt sich regelmäßig beim Öffnen auf, besonders bei der Einrichtung verschiedener Ordnerfreigaben. Das liegt hauptsächlich daran, dass bei der Fülle an Ordnern das Scrollen in der Auswahl laggt und die App überfordert ist. Das liegt hauptsächlich daran, dass für jedes Jahr im Fotoarchiv ein eigener Ordner als Sync-Ordner hinzugefügt wurde, damit bei einer Änderungen an einzelnen Dateien nicht gleich der gesamte Ordner abgeblichen werden muss. Auch das Ignorieren von bestimmten Ordnern oder Dateien funktioniert leider nicht, wie es sein sollte; hier geht es insb. um Vorschaubilder und Cache-Dateien von Capture One.
Manche Sachen könnten im Interface einfacher zugänglich sein:
Neben der Nextcloud-Galerie ist auch Nextcloud Memories eine tolle App, aber die Übersicht und besonders die Suchfunktion erreichen nicht die Qualität von Apple Fotos. Hier teste ich parallel noch Immich als Alternative.
Nextcloud bietet unzählige Apps und Erweiterungen . Ironischerweise nutze ich aber fast keine davon. Neben den Standard-Apps läuft nur Nextcloud Memories für die Fotoverwaltung.
Die Apps für Kalender, Notizen und Kontakte schaue ich mir für die Zukunft noch genauer an – könnte interessant werden, wenn ich wirklich komplett aus dem Apple-Ökosystem aussteigen will.
Nextcloud hat iCloud Drive bei mir zu fast vollständig ersetzt. Dateien lege ich nur noch temporär und in spezifischen Fällen in iCloud Drive ab.
Aktuell läuft der externe Zugriff noch über das Fritz!Box-VPN. Für die Zukunft plane ich:
| Komponente | Hardware-Setup | Alternatives Setup |
|---|---|---|
| NAS/Computer | QNAP TR-872AeU-RP: 1.900 € | Raspberry Pi 5 (16GB): 150 € |
| Speicher-Controller | - | M.2-HAT+: 15 € |
| System-SSD/Cache | 2× 2 TB Samsung 980 Pro: 350 € | 512 GB SSD: 50 € |
| Externes Gehäuse | - | QNAP TR-004: 220 € |
| HDD-Speicher | 8× 12 TB Seagate Exos: 2.250 € | 4× 12 TB Seagate Exos: 1.100 € |
| Gesamtkosten | 4.500 € | 1.535 € |
| Kostenpunkt | Hardware-Setup | Alternatives Setup | Apple Services |
|---|---|---|---|
| Stromverbrauch | 540 kWh = 190 €/Jahr | 220 kWh = 75 €/Jahr | - |
| Cloud-Dienste | - | - | Apple One Premium (2 TB): 420 €/Jahr |
| Zusätzlicher Speicher | - | - | iCloud+ (2 TB): 120 €/Jahr |
| Gesamtkosten/Jahr | 190 € | 75 € | 540 € |
| Setup | Anschaffung | Laufende Kosten (5J) | Gesamtkosten | Speicherkapazität |
|---|---|---|---|---|
| Hardware-Setup | 4.500 € | 950 € | 5.500 € | 48 TB (RAID 10) |
| Alternatives Setup | 1.535 € | 375 € | 1.900 € | 24 TB (RAID 10) |
| Apple One Premium 4 TB | 0 € | 2.700 € | 2.700 € | 4 TB |
| Apple One Family 200 GB | 0 € | 1.500 € | 1.500 € | 200 GB |
| Downgrade bei Apple | 0 € | -1.200 € | -1.200 € | 200 GB |
| Aspekt | Nextcloud | Apple Services |
|---|---|---|
| Zeitaufwand | Wartung: 1 Std./Monat | minimal |
| Datenkontrolle | vollständig | eingeschränkt |
| Privacy | maximal | abhängig von Apple |
| Speicherlimit | nur durch Hardware begrenzt | max. 2 + 12 TB |
| Flexibilität | hoch (eigene Apps/Konfiguration) | begrenzt auf Apple-Ökosystem |
Ja, definitiv. Trotz aller kleinen Macken und der gelegentlich hängenden macOS-App überwiegen die Vorteile deutlich. Die einzige Einschränkung: Man braucht die Bereitschaft, sich mit der Technik auseinanderzusetzen. Wer wirklich nur «es soll einfach funktionieren» will, ist mit iCloud besser bedient.